Was Hunger mit uns anstellt – psychisch und physisch!

Hunger ist ein quälendes Gefühl, dass wir am liebsten schnell wieder loswerden. Sobald der Magen knurrt, fühlen wir uns unwohl und jeder Geruch, der uns ans Lieblingsessen erinnert, könnte uns zum hungrigen Wolf aus dem Rotkäppchen Märchen machen. Was Hunger in Körper und Seele auslöst und welche Auswirkungen das nagende Gefühl langfristig auf die Gesundheit hat, werden wir im Folgenden bearbeiten.

Das macht Hunger mit dem Körper

Wenn der Organismus keine frischen Nährstoffe mehr zur Verfügung hat, die er verarbeiten kann, greift er auf die Fettreserven zu. Klingt doch eigentlich fein, wenn man sich denkt: Ja, dann soll das Fett halt weg. Aber zuvor kommt es, neben dem typischen Magengrummeln, zu Herzklopfen, Zittern und kalten Händen, wenn das Hungergefühl länger anhält. Danach folgen Schweißausbrüche, Abgeschlagenheit und Schwindel, aber auch Magenkrämpfe, Kopfschmerzen und ein zunehmendes Unwohlsein.

Kurz: Bei Hungersignalen fühlen wir uns unwohl und verspüren ein starkes Verlangen nach Nahrung. Und nein, nur wenn man sehnsüchtig stündlich dem Kühlschrank einen Besuch abstattet, ist das nicht gleich Hunger! Wenn das Energiedefizit dann ausgeglichen wird, verschwinden diese Beschwerden wieder und an ihre Stelle tritt ein wohliges Glücksgefühl. Andernfalls greift der Körper, wie bereits erwähnt, auf die Fettzellen zu, um leistungsfähig zu bleiben. Wird das Defizit ausgeglichen, geht auch der körperliche Stress zurück – wir fühlen eine Entspannung und gewinnen unsere emotionale Stabilität zurück. Das Glücksgefühl, das kurz nach dem Essen auftritt, ist das beste Beispiel dafür.

Hungergefühle belasten psychische Verfassung

Hungergefühle wirken sich auch die psychische Verfassung negativ aus. Die Ursache liegt im Serotonin-Spiegel. Bei Hungergefühlen fällt dieser und führt unweigerlich zu den typischen Folgen: Müdigkeit, schlechte Laune und Aggressivität. Wer hat nicht schon einmal seinen Partner angeschnauzt, als man hungrig war? Diese Faktoren beeinflussen auch die Entscheidungsprozesse. Wer hungrig ist, handelt oft irrational und unüberlegt. Wer schon einmal hungrig einkaufen gegangen ist, wird dies bestätigen. Da ist der Einkaufswagen plötzlich viel voller, als man es ursprünglich geplant hat.

Wie Forscher herausgefunden haben, machen Hungergefühle die Mundschleimhäute sensibler. Das führt dazu, dass die aufgenommene Nahrung als größer eingeschätzt wird als sie tatsächlich ist. Visuell tritt das Gegenteil ein und wir haben das Gefühl, dass die Portion auf dem Teller ungewöhnlich klein aussieht. Ihr kennt das bestimmt auch, wenn ihr euch selbst Reis kost und denkt: Hm…das ist aber doch relativ wenig! Und im Endeffekt könntet ihr sogar die Nachbarsfamilie damit sattmachen.

Wer hungrig ist, wird allerdings auch wählerischer. Mehr Speisen wirken dann unappetitlich oder werden aus anderen Gründen gemieden. Die Ursache liegt in der Evolution, denn wer früher aus einem starken Hungergefühl heraus unvorsichtig wurde, verzehrte schnell einmal giftige Bären oder näherte sich einem Feind ohne die nötige Vorsicht. Heute bestehen diese Risiken zwar nicht mehr, die biochemischen Prozesse sind jedoch tief verankert. So wählen hungrige Menschen im Supermarkt ihre Lieblingsprodukte, anstatt der Lebensmittel, die am längsten und besten sättigen oder gesünder sind.

 

Hungergefühle verändern die Wahrnehmung

Bei Hungergefühlen arbeitet das Gehirn auf Hochtouren. Der gesamte Fokus liegt auf der Nahrungssuche, und andere Aufgaben können aufgrund von Konzentrationsschwierigkeiten meist nicht mehr ohne Schwierigkeiten ausgeführt werden. Beeinflusst wird auch die Wahrnehmung der Augen. So wurde in verschiedenen Studien festgestellt, dass hungrige Menschen Essen und Trinken in der Umgebung oder im Fernsehen schneller und intensiver wahrnehmen. Ursächlich sind Regulationsmechanismen des Körpers, die durch ein verändertes Erleben und Handeln dafür sorgen sollen, dass der Mangel schnell behoben wird. Dadurch kommt es auch zum Magenknurren, denn der Schmerzreiz sorgt dafür, dass wir den Magen schnell wieder mit Nahrung versorgen möchten.

Hungergefühle haben also viele verschiedene Auswirkungen auf Körper und Geist. Wenn der Körper nicht ausreichend mit Nährstoffen und Vitaminen versorgt wird, macht das nicht nur müde und schwach, sondern belastet auch die Psyche. Umso wichtiger ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Daher sollte man immer darauf achten, regelmäßig kleine, gesunde und ausgewogene Portionen zu sich zu nehmen, um nicht zu einem hungrigen Bären zu werden, der danach alles frisst, was ihm zwischen die Finger kommt.